Alba Berlin
20 Jahre Alba Berlin
Alba Berlin hatte geladen, es sollte das 20-jährige Bestehen des Clubs gefeiert werden. Und es kamen neben den 2.500 Zuschauern auch jede Menge ehemalige Spieler des Vereins, um zu gratulieren und in Erinnerungen zu schwelgen.
Von Christian Guse |
20.09.2009 | |
Es ist 20 Jahre her, dass die BG Charlottenburg gegründet wurde. Nur zwei Jahre später ging aus diesem Verein der heute bekannte BBL-Club Alba Berlin hervor. Der Name stammt von einem Entsorgungsunternehmen, das seit 1991 Hauptsponsor des Vereins ist. Und da ein runder Geburtstag immer etwas ausgiebiger gefeiert wird, wollte Alba Berlin seinen Fans nicht nur eine schnöde Saisoneröffnungsfeier bieten, sondern eine um die Geschichte des Vereins herum aufgebaute Party, die die Anwesenden in der Vergangenheit schwelgen lassen sollte. Den Höhepunkt bildete ein Spiel zwischen der „alten“ Alba-Mannschaft von 1997 und dem aktuellen NBBL-Team. Albas Vergangenheit gegen die Zukunft, so lautete das Motto.
In der Sömmeringhalle, im Berliner Stadtteil Charlottenburg, begann dereinst die Reise der Albatrosse in die große Welt des deutschen und europäischen Spitzenbasketballs. Nachdem 1993 Svetislav Pesic die Arbeit als Chef-Coach übernahm, kamen die Berliner so richtig ins Rollen. Pesic übernahm dann auch gestern das Amt des Head Coaches der 1997er Meistertruppe. Zu Beginn schickte er Sasa Obradovic, Wendell Alexis, Jörg Lütcke sowie Henrik Rödl und Teoman Öztürk auf das Feld. Die letzten beiden waren auch beim ersten Highlight in der Geschichte Albas anwesend, als die Berliner 1995 im Finale des Korac-Cups Stefanel Mailand schlugen. Es war der erste Gewinn eines europäischen Pokals für einen deutschen Basketballverein.
Alte Klasse blitzte anfangs aber nur beim zukünftigen Grundschullehrer Teoman Öztürk auf, der seine Großenvorteile ausspielen konnte. Dennoch war nach den ersten sechs Minuten (die Viertellänge wurde verkürzt) nicht viel davon zu sehen, dass die alten Herren vor zwölf Jahren Alba den ersten deutschen Meistertitel erspielten und damit Seriensieger Bayer Leverkusen ablösten. Mit 16:7 konnten die NBBLer ihrem Coach Henrik Rödl zeigen, was so in Zukunft von ihnen zu erwarten sein wird.
Svetislav Pesic wechselte fleißig durch, sodass auch Henning Harnisch, mittlerweile Sportdirektor bei Alba Berlin, Mithat Demirel, Stipo Papic, Stephen Arigbabu, Drazan Tomic und Trainersohn Marco Pesic zum Einsatz kamen.
Allerdings war auch im zweiten Viertel nur wenig mehr von dem Team zu sehen, was eben 1997 nicht nur den Meistertitel, sondern gar auch den Pokal gewann. Es wurde versucht zu zaubern, allen voran der Weltmeister von 1998, Sasa Obradovic, der die Titelverteidigung 1998 nicht mehr als Spieler Alba Berlins erlebte. Ganz im Gegensatz zu Stephen Arigbabu, der mit wichtigen Punkten die Oldies im dritten Viertel wieder ins Spiel brachte, nachdem zur Halbzeitpause ein 16:25 auf der Anzeige aufleuchtete.
Mit der Schlusssirene des dritten Viertels gab es dann die 34:33 Führung durch Marco Pesic, der einen Fastbreak mit Foul abschloss. Beim anschließenden Freiwurf wurden Erinnerungen an 1996 wach, als Alba in einer dramatischen Schlusssequenz Olympiakos Piräus schlug. Pesic verwandelte damals einen Dreier mit Foul und konnte den Freiwurf nicht verwerten. Alba gelang es aber, sich den Offensiv-Rebound zu schnappen, und Wendell Alexis, der im Übrigen am Ende des gestrigen Abends, wie so oft in seiner Zeit bei Alba Berlin, der Topscorer mit elf Punkten sein sollte, eiskalt den Dreier zur Führung einzunetzen. In Anlehnung an die Geschichte traf Pesic auch gestern den Freiwurf nicht.
Insgesamt sieben Mal in Folge gewann Alba Berlin die deutsche Meisterschaft zwischen 1997 und 2003, bis 2000 unter Coach Pesic und dann mit Emir Mutapcic als Chef-Trainer. Sechs Spielzeiten davon war Wendell "Iceman" Alexis als Alba-Spieler unterwegs. In 341 Spielen in blau-gelb erzielte er 5.922 Punkten und führt damit die ewige Punkteliste Albas an. Henrik Rödl bestritt mit 512 die meisten Spiele. Er übernahm dann 2005 das Amt des Chef-Coaches bis 2007. Aber auch er konnte die Durststrecke der Albatrosse ohne Meistertitel nach 2003 nicht beenden.
Zwar wurde zwischendurch im Jahre 2006 zum fünften Mal der Pokal gewonnen, aber das erklärte Ziel in jeder Saison war doch stets die Meisterschaft. Das wird auch in der kommenden Saison, wie gestern von Dr. Axel Schweitzer, Chef des Aufsichtsrats bei den Berlinern, unter Applaus der anwesenden Fans verkündet, nicht anders sein.
Kurz vor dieser Ankündigung beendete ein dominantes letztes Viertel durch die alte Garde jegliche Träume der Nachwuchsbasketballer, den Court als Sieger zu verlassen. Am Ende hieß es 48:38 für das 1997er Alba Team. Sie zeigten damit dem Publikum noch einmal, dass sie trotz ein paar Pfunden und Jahren mehr, immer noch in der Lage sind, ein Spiel zu drehen. Die Fans feierten sie dafür.
Zum Abschluss der gestrigen Veranstaltung wurde noch das Team für die neue Saison vorgestellt. Sie sollen das Erbe der erfolgreichen Alba-Generation ab Mitte der Neunziger Jahre antreten. Zwar gelang unter dem aktuellen Coach Luka Pavicevic 2008 der Gewinn der deutschen Meisterschaft, aber in der letzten Saison war schon das Halbfinale Endstation. Auch schielen die Verantwortlichen schon in Richtung Europa und würden gern den Erfolg von 1995 wiederholen.
Bevor dann in der Sömmeringhalle die Lichter gestern Abend ausgingen, war noch eine Autogrammstunde angesagt, bei der sich auch die eine oder andere Gelegenheit zum Smalltalk mit den aktuellen und ehemaligen Spielern und Trainern ergab. In 20 Jahren sammeln sich so einige Erinnerungen an. So bleibt also nur noch, alles Gute für die nächsten 20 Jahre zu wünschen.
Zur Bildergalerie auf [albaberlin.de].



von Crossover 17.05.2012 um 08:41:37
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